Juli 2026
Praxis statt PowerPoint: Arndt von Danwitz über Chancen und Grenzen der landbasierten Aquakultur
Kaum jemand kennt die Praxis der landbasierten Aquakultur so genau wie Arndt von Danwitz. Seit 2009 beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema – vom Studium der Agrarwissenschaften in Kiel über Stationen am Fraunhofer IMTE in Büsum bis hin zu rund zehn Jahren auf einer der größten Kreislaufanlagen Europas in Dänemark, zuletzt als Produktionschef. Seit 2024 berät er als selbstständiger Konsulent Salmoniden-Züchter in Nordeuropa – von Lachs- über Forellen- bis zu Saiblingsbetrieben. Wenige kennen die Chancen und Stolperfallen der Kreislauftechnologie also so genau aus erster Hand wie er.
Im Vorfeld des FIZ Wissen+-Seminars am 15. September in Hamburg hat Arndt von Danwitz mit Mythen aufgeräumt und einen unverstellten Blick in die Praxis der Branche gegeben.
Was glauben die meisten Menschen über landbasierte Aquakultur – und was stimmt nicht?
„Das viele Antibiotika eingesetzt werden. In Kreislaufanlagen werden größtenteils gar keine Medikamente eingesetzt, da die Biosicherheit eine andere ist als in einem offenen Produktionssystem.“
Welcher Mythos hält die Entwicklung moderner RAS-Anlagen aktuell am stärksten auf?
„Ein wirtschaftlich tragfähiger Betrieb von Kreislaufsystemen ist kaum realisierbar – wenngleich es tatsächlich prominente Beispiele dafür gibt.“
Viele sehen vor allem die Technik. Was ist in Wahrheit die größere Herausforderung?
„Es ist immer noch die unrealistische Vorstellung über die zu erwartenden Herausforderungen und Produktionsmengen der Anlagen. Zudem die Gesetzgebung, Investitionsbereitschaft und auch die Strompreise, wenn ich an den deutschen Markt denke.“
Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Im Jahr 2035 wird die Aquakulturbranche …
„…differenzierter sein, mit höheren Anteilen an Fisch aus Kreislaufanlagen und hybrid-flow-through Systemen bei gleichzeitiger Beibehaltung der klassischen Netzgehege und Durchflussanlagen. Wir brauchen alle Produktionsformen, um die Eigenversorgung zu stärken!“
Was wird in zehn Jahren völlig selbstverständlich sein, worüber heute noch diskutiert wird?
„Hoffentlich die bessere Nutzung aller Seiten- und Stoffströme in der Fischproduktion.“
Sind viele der aktuellen RAS-Projekte technisch anspruchsvoll und wirtschaftlich rentabel?
„Die meisten sind tatsächlich etwas zu kompliziert und teuer gebaut worden, oder mit teilweise falschem Design, welches die Wirtschaftlichkeit erschwert. Skalierung, zumindest in einem gewissen Rahmen, ist eine weitere Notwendigkeit, sowie Exzellenz in der Produktion, die bei RAS noch stärker ins Gewicht fällt, da man neben der Fütterung auch seine eigene Wasserqualität ‚bestimmen‘ kann.“
Wo werden derzeit die größten Fehler bei Investitionsentscheidungen gemacht?
„Es wird zu viel auf KI gesetzt und die immense Erfahrung der Fischzüchter und Anlagenbetreiber sowie deren Feedback wird nicht ausreichend für die Planung und Weiterentwicklung genutzt. Zudem wird oft ein optimistischer Ansatz gewählt, anstatt ein realistischer – wobei wir wieder bei den Erfahrungen der Fischzüchter wären, die dieses einordnen könnten. Leider wird zu viel auf die PowerPoint geguckt und zu wenig tatsächlich untersucht, was andernorts möglich ist.“
Wer sich heute nicht mit landbasierter Aquakultur beschäftigt, riskiert in fünf Jahren was genau?
„Eine Chance verpasst zu haben, sich mit einem außerordentlich spannenden Bereich zu befassen. Außerdem verpasst man die Möglichkeit, sich ein exklusives Produkt für einen Nischenmarkt zu sichern.“
Welche Frage muss sich die Fischbranche heute stellen, wenn sie auch morgen noch erfolgreich sein will?
„Wie können wir die Qualität und Preise unserer Produkte aufrechterhalten und gleichzeitig deren Umweltwirkungen reduzieren?“
Welche Aussage über die Zukunft der Fischversorgung würden Sie heute unterschreiben, die viele Menschen in der Branche für gewagt halten würden?
„In Zukunft wird die Fischproduktion von Salmoniden in Kreislaufanlagen, wirtschaftlich gesehen, mit der von Netzgehegen vergleichbar sein.“
Eine Einschätzung, die aufhorchen lässt – und die zeigt, warum die Perspektive der Praxis beim FIZ Wissen+-Seminar am 15. September in Hamburg so wertvoll ist. Gemeinsam mit Prof. Dr. Carsten Schulz (Forschung) und Tobias Haug vom ASC (Markt und Zertifizierung) bringt Arndt von Danwitz den unmittelbaren Blick aus dem operativen Betrieb von Kreislaufanlagen ein – und macht deutlich, dass die Zukunft der Fischbranche nicht an einer einzigen Produktionsform hängt, sondern an ihrem Zusammenspiel.
Mehr Informationen und Anmeldung zum Seminar gibt es hier.